Raphael Grosch als Oskar Matzerath

Bombenkritik in der Süddeutschen

Die Nervensäge wächst über sich hinaus.

Raphael Grosch glänzt bei der Unterföhringer Aufführung der "Blechtrommel" in der Rolle des Oskar Matzerath.

„…Wenn die Leistung des Ensembles auch ausnahmslos gut war, so ist doch insbesondere Raphael Grosch in der Rolle des Oskar Matzerath zu loben, der als Ich-Erzähler über zwei Stunden hinweg eine gigantische Show ablieferte. Er zerschrie Glas und trommelte um sein kleines bisschen Ich, er bestieg Schaukelpferde und Frauen und versah den kindlichen Egozentriker Oskar dabei mit einer energetischen Wahrhaftigkeit, die den Zuschauer kaum einmal aus seinen Fängen ließ. Ein wilder, ein atemloser Ritt durch das Leben eines Sonderlings, für den man sich bei aller Bewunderung für die findigen Formulierungen, die Grass dem kleinen Fiesling in den Mund geschrieben hat, nicht einmal dann erwärmen kann, als er sich unerwartet väterlichen Gefühlen für seinen Sohn Kurt hingibt. Die Trommel, die er dem Kind zu dessen dritten Geburtstag geschenkt habe, mochte es leider nicht, erzählt Matzerath. Na gut. Schauspieler Grosch jedenfalls bestritt die ständigen Wechsel zwischen der ersten und dritten Person versiert - und mit diesem überheblichen Rasseln in der Stimme, das einem auch dann noch durch die Gehörgänge rauschte, als der Applaus längst verklungen war. Eine Nervensäge, die in Unterföhring über sich hinausgewachsen ist.“

Franziska Gerlach, Süddeutsche Zeitung, 11.02.2018